Recenzje / Animations (2007) / Ragazzi.dehttp://www.ragazzi-music.de/animations.html Dieses Intro ist notwendig. Seine kühle Eleganz, sein zarter Hauch. Fast 3 Minuten ambienter Ruhe, luftiger harmonischer Ruhe, die weich in die Ohren fließt, innerlich löst und entspannt. Schon zum Ende dieses ersten Stückes, das Animations "Dare You Enter?" nennen, setzt die Band zur Forcierung des lockeren Themas an. Um im anschließenden "Sonic Maze" nicht nur kraftvoll und hart, sondern ungebremst erheblich komplex abzuschießen. Animations sind Pawel Larysz (dr), Kuba Debski (g), Bartek Bisaga (b) und Tomek Konopka (key) - das Quartett kann man getrost als gleichwertig und hochqualitativ zu Spaced Out, Kopecky und Planet X stellen. Wenn der Jazzanteil auch nicht so hoch ist, so ist es der Komplexfaktor. Die in Jaworzno, Polen, beheimatete Band, hat als Inspiration gewiss auch Dream Theater gehört und Liquid Tension Experiment - sich aber für die ganze, auch kompositionstechnische Kompromisslosigkeit entschieden und den technischen, instrumentalen und keineswegs eingängigen Weg gewählt, ihre musikalischen Ideen auszudrücken. Das Quartett erweist sich als handwerklich exzellent. Fast scheint es, die Jungs spielten nur so aus Spaß an der Freude, so locker und lässig klingen die Songs, so vital ist ihr Spiel, ihre Zusammenarbeit - und so dynamisch das Ergebnis. Hier war neben viel Übung erheblich Spielfreude am Werk. Als hätten sie im Ideenlabor gesessen und sich gegenseitig zur möglichst komplexen Ausgestaltung ihrer vitalen Kompositionen angestachelt. Komplexhasser werden keine Chance haben, die bis 18 Minuten langen Stücke als emotional kalt, kopflastig, inhaltlich leer oder technokratisch einzuschätzen. In aller verblüffenden Notenintensität und komprimierten Materialfülle bleibt die Band stets hochmelodisch und nachvollziehbar, einige längere symphonisch-elegische Parts fahren die Dauerhochspannung der Extremkomplexe hin und wieder runter. Wer es nicht mag, wird heute halt mal nicht gezwungen, diesen Klängen zu lauschen. Weniger jazzverseucht, mehr symphonisch angelegt sind die Songs. In den unendlichen Harmonievarianten und Melodiebrüchen steckt hier und dort eine etwas süßliche Note, die in der Themenausarbeitung der ambienten Keyboardarbeit hängt, die für die zarte Ausgestaltung der Lücken zwischen den Komplexorgien zuständig ist. Ein weiteres leichtes Manko ist das nicht unbedingt technische komplexeste Schlagzeugspielverständnis von Pawel Larysz, der zwar dynamisch bolzt und - sicher - auch sehr technisch spielt, aber noch einige Reifegrade vor sich hat. Am eindrucksvollsten präsentiert sich Gitarrist Kuba Debski, dessen Namen ich nicht richtig schreiben kann, weil unter dem e in Debski noch ein seltsamer Haken hängt. Das html-Programm kann mit diesem Haken nichts anfangen, es ersetzt den Haken samt dem e durch ein Fragezeichen, also: Debski. Dieser Mann ist ein exzellenter Gitarrist. Will sagen, nicht er allein ist hier der Gute, gewiss nicht. Alle vier Bandmitglieder sind hoch qualifizierte Instrumentalisten, er jedoch ragt darüber hinaus. Die Materialfülle der 8 Songs bietet Hörfreude für etliche Anwendungen (so kann man das auch sagen, sag ich jetzt mal so). Um sich am Debüt Animations zu überhören, braucht es viel Zeit. Viel Zeit, die man in die Musik gut investiert. Technik- und Komplexfreaks sowie Prog Metal Liebhaber dürfen sich auf eine gelungene Überraschung freuen! Volkmar Mantei Ocena: N/A |
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